Mittwoch, 1. Juli 2015
wild wild west, howdy und yeha
Hm, lass mich ueberlegen, zurueck in Deutschland bin ich fuer ein paar Mal mit Katrin zu ihren Pflegepferdchen gefahren, nur um wieder festzustellen, dass ich wirklich kein Pferdemensch bin. Diese grossen Kreaturen haben in mir immer Bewunderung hervorgerufen, aber mit einem Pferd alleine da zustehen hat mir doch immer geholfen mir in die Hosen zu machen. Was sollte mich also dazu bewegen hier in Kanada mit hyperaktiven, riesengrossen und sprunghaften Rennpferden zu arbeiten? Keine Ahnung, einfach nur weils der absolute Wahnsinn ist! Wer schonmal einen schoenen Westernschinken gesehen hat, weiss mit Sicherheit was ein Verpflegungswagen ist, in englisch `Chuckwagon`. Cowboys sind damit im wilden Westen durchs Land gezogen, vorne im Wagen sitzend der Koch und eine weisse Plane ueber dem Wagen, in dem sich die Kueche befand. Alle anderen Mitreisenden sind auf Pferden nebenher geritten. Das Problem im wilden Westen war aber, dass das Land durch das die Cowboys geritten sind, den Indianern gehoerte. Sobald also besagte Ureinwohner aufgetaucht sind um Stunk zu machen, musste alles wahnsinnig schnell zusammen gepackt und losgeritten werden, um nicht zu sagen, sie mussten rennen. Der kanadische Profi Chuckwagon Verband hat aus dieser Tradition einen Millionensport gemacht. Heute finden sich 3 bis 4 Wagen mit jeweils 4 Pferden auf der Rennstrecke wieder und rennen, um nicht zu sagen fliegen um die schnellsten Zeiten. Was hat das also alles mit mir hier zu tun? Shane Nolin, einer der erfolgreichsten Chuckwagonfahrer in Kanada hat mich fuer diesen Sommer als Stallhilfe eingestellt und hat mir damit die Moeglichkeit zu einer unglaublichen Erfahrung gegeben. Seit Anfang April lebe und arbeite ich also mit Shane und Stacey Nolin in Rapid View, Saskatchewan. Im April und Mai ging es einzig um das Training der rund 30 Rassepferde. Die deutsche Uebersetzung ist Rasse- oder Vollblutpferd, was im Endeffekt so viel heisst wie diese Pferde wurden einzig zum Rennen gezuechtet. Still stehen und relaxen ist niemals Programmpunkt im Leben dieser Pferde. In den vielen Wochen des Trainings konnte ich also langsam aber sicher lernen wie man einen Stall von Pferdepisse, Pferdescheisse und sonstigem, produziert von 20 Pferden, befreit haha. Nur Spass, das konnte ich vorher schon. Ich habe mit jedem Tag gelernt die Beweggruende und Art und Weisen eines Pferdes zu verstehen und ihre Energie und Stabilitaet aufzusaugen. Und natuerlich habe ich gelernt meine Fuesse immer so schnell wie die des Pferdes zu bewegen, es tut furchtbar weh, wenn man das nach 3 Wochen immernoch nicht hinbekommt. Was neben saubermachen noch zu meinen Aufgaben gehoert? Oh man, ich mache alles. Alles von Pferde buersten, Hufe sauber machen, Maehne schneiden, Pferdegeschirr anlegen, Pferde an den Wagen spannen, alle mit Futter versorgen.... ich habe so einiges gelernt von dem ich nie gedacht haette, dass ich das koennte. Die innere Gelassenheit und Ruhe, die ich bei der Arbeit mit den energiegeladenen Riesen bekomme ist unbezahlbar. Wenn dich ein springendes, tretendes und ausflippendes Pferd nicht aus der Ruhe und dein Herz nicht zum Rasen bringt, dann kann kommen was will. Mittlerweile kann ich mir gar nicht vorstellen im August dann weiter zuziehen, jedes einzelne Pferd waechst mir jeden Tag mehr ans Herz. Mit jeder Eigenart, die ich an ihnen entdecke, bin ich den grossen, neugierigen Toelpeln mehr verfallen. Sie auf der Rennstrecke rennen zu sehen, als ob es kein Morgen gibt, ist noch aufregender und laesst mich jedes Mal laecheln. Seit Ende Mai sind wir also jedes Wochenende unterwegs zu einer anderen Stadt, zu einem anderen Rennen.
Das ist, was ich und Marius die restlichen 3 Wochen gemacht haben hier in Kanada. Ich schon etwas gewoehnt an riesen Babies, war Marius doch etwas respektvoller und zurueckhaltener. Wer bereits mit ihm gesprochen hat wird verstehen warum. Angst ist das einzige, was du im ersten Moment in Kontakt mit den Pferden verspuerst. Aber auch Marius hat nach einiger Zeit mehr Vertrauen aufbauen und ueber die ein oder andere Eigenart lachen koennen. Pferde sind anders als erwartet wahnsinnig neugierig, verspielt und viel mehr wie ein uebergrosser Hund, der sich im Dreck waelzt und mit Stoeckchen und Wasser spielt. Am letzten Mai Wochenende konnte Marius, und natuerlich auch ich, sein erstes Rennen und endlich auch den Grund fuer die ganze taegliche Arbeit auf der Farm sehen. Am selben Wochenende musste ich ihn dann aber leider auch gleich zum Bus bringen.
seither bin ich zu drei weiteren Rennen gefahren und liebe den ganzen Aufwand und die Aufregung. Noch mehr Aufregung beschert mir die Tatsache, dass wir vom 3. bis 12. Juli beim Calgary Stampede 9 Tage rennen werden. Calgary Stempede ist das groesste aller Outdoor Western Festivals auf der Erde, es gibt kein groesseres Spektakel in der ganzen weiten Welt. Rodeo, Bullenreiten, Kaelber mit dem Lasso fangen und Chuckwagons. 9 Tage Reizueberflutung vom feinsten. Basistickets fuer diese Attraktion fangen bei 250 Dollar an. Und ich meine Freunde haben einen Pass fuer ALLES. Ich werde hinter den Kullissen dieses Wahnsinns arbeiten und wahrscheinlich eine lange Woche erleben, die ich nie vergessen werde. Das ganze wird natuerlich live uebertragen auf CBC. wer kann sollte bei den Chuckwagons mal reinschauen und meinen Boss ueber die Rennstrecke fliegen sehen und natuerlich mich am Tor fuer die Ausreiter sehen. Hinter dem Wagen muessen 2 Reiter mit Pferd hinterher reiten und ich bringen mit Cassedy, Shanes Tochter, die Pferde zur Rennstrecke. Lohnt sich also mal reinzuschalten.......

Training im Frühling - Shane hat seine eigene Trainingsrennstrecke zu Haus, was einen Teil seines Erfolgs ausmacht



Super wichtig in der Vorbereitung ist auf jeden Fall auch die Gesundheit der riesen Atlethen, und da keiner von denen still stehen kann wurden am Zahntag alle narkotisiert, an diesem Tag hatten wir dann eine ganze Herde betrunkener Rennpfer rumtorkeln.


Die ganze Aparatur, die das Maul aufhält sah schon echt gruselig aus und Ghost, eines der Ausreitpferde, hat zudem nur ein Auge, was das ganze noch mehr Grusel verleiht hat. Witzigerweise war sein Name Ghost (zu deutsch Geist) bereits bevor er sein Auge verloren hatte.

Erstes Rennen der Saison, das war auf jeden Fall mega aufregend, zu sehen wie das ganze abläuft. Man selbst gerät auch unwahrscheinlich schnell In einen Adrenalinrausch, wenn die Trompete zum Start schallt und man gespannt da steht und wartet auf den ersten, der aus dem Startbereich kommt.

Auf der Renstrecke sprinten die Giganten dann was das Zeug hält und die Ausreiter versucher an ihrem Wagen dran zu bleiben, ansonsten gibts Zeitstrafen



In der Vorbereitung sieht das ganze dann so aus: im Stall wird den Wagenferden das Geschirr angelegt und die Ausreitpferde werde gesattelt.



Marius hat sichs natürlich nicht nehmen lassen auch mal im Wagen Platz zu nehmen.


Neben den Chuckwagonrennen gibt es meistens auch Rodeo oder Kunstreiten, bzw. Trickreiten bei den Veranstaltungen. Shanes Nichte Paynton ist eine der begabtesten Trickreiterinnen ihrer Altersgruppe in Kanada.




Nach jedem Rennen gehts für 2 oder 3 Tage zurück auf die Farm, sodass die Pferde zwischen dem ganzen Trubel und Stress auch mal entspannen können. In der Sommerzeit sind die Pferdefliegen und Mücken extrem lästig, entspannt wird also gemeinschaftlich an der Rauchtonne.
 

So Leute, das ist also mein Sommerjob und sobald ich Calgary durchlebt oder überlebt habe, je nach dem, werd ich euch wissen lassen wie aufregend das ganze denn dann wirklich war!

Also seid lieb gegrüßt und bis bald :)

... link (0 Kommentare)   ... comment


Dienstag, 16. Juni 2015
Rocky Mountains oh yeah
Ja mein liebster Marius war mich ja hier in Kanada besuchen und wir sind mit meiner geilen Karre Lucy einfach mal in die Rocky Mountains gefahren. Vom Flachland in die Berge zu fahren war ein Unterschied wie Tag und Nacht sag ich euch! Als wir die ersten Berge vom highway aus gesehen haben waren wir schon voll aufgeregt und hibbelig, weil dauert ja nicht mehr lange bis wir da sind und so. Naja. Kanada, Entfernungen sind hier anders. 3 Stunden später waren wir dann auch schon da. Wir hatten eigentlich keinen Plan wo wir hin wollten und sind einfach durch den Banff und Jasper Nationalpark gefahren und haben in Banff, Lake Louise und Jasper übernachtet. Geschlafen haben wir im Van, was mega praktisch war, wir mussten aber leider trotzdem immer auf einen Zeltplatz fahren, da parken nachts ausserhalb der Campingplaetze nicht erlaubt ist.
Die Kombination aus Bergen und Seen und Wildlife ist wahnsinnig schön und hat uns als extremer Kontrast zur Prärie echt gefallen. Ich bin aber trotzdem dem flachen Saskatchewan verfallen, Berge stinken gegen atemberaubende Sonnenaufgänge und -untergänge leider einfach ab. Was aber kuhl war, war dass wir neben Ziegen auf dem Highway und jedermenge Elchen auch einen kleinen Schwarzbären am Straßenrand gesehen haben!!!

Bergziegen - die hängen hier gern auf dem Highway ab


In banff angekommen konnten wir dann auch gleich mal Berge und Seen bestaunen. Gefrühstückt haben wir auch immer schön draußen und am Wasser, wenns möglich war



In Banff sind wir auch auf eine kleine Wandertour gegangen, Marius in Alltagsschuhen und ich in Cowboyboots haha. Marius hat sichs auf jedenfall auch nicht nehmen lassen, mal eben in einen eiskalten Rockymountain See zu springen!



Auf unserem Weg nach Lake Louise sind wir dann echt noch auf Schnee gestoßen?! An dem Punkt hab ich mich dann echt gefragt, ob Lucy, unser Auto, es denn schaffen wird.... hier ist Schnee, wie weit oben sind wir denn??


In Lake Louise angekommen ist doch dann tatsächlich der See Louise zugefroren?! Zumindest 1/4 war geschmolzen, hat dem ganzen wunderschönen Anblick aber wirklich keinen Abbruch getan.

(Frühstück natürlich am See)

Zwischen Lake Louise und Jasper kam dann erstmal 150 km nichts, nichts, nichts und dann aufeinmal wieder so eine kleine, süße Bergstadt :)


In Jasper auf dem Zeltplatz sind regelmaessig auch Elche vorbei gekommen und kleine Erdmaennchen, ich hatte auf jeden Fall Schiss, dass gleich auch noch ein Baer um die Ecke kommt. Auf dem Highway an einem vorbei zu fahren ist dann doch anders als beim Lagerfeuer mit einem zusammen zu sitzen. Nach 5 Tagen Bergen gings dann wieder zurueck ins flache Land mit Lucy.

Marius und ich waren also 1 Woche in den Rockymountains. Marius Aufenthalt in Kanada war knappe 4 Wochen.... mein Gehirn ist trotz Universitaetsabwesenheit immernoch in Takt, keine Sorge. Was zur Hoelle ist denn in der restlichen Zeit abgegangen, fragt ihr euch? Das kann ich hier nicht schreiben, zu viel Information, zu aufregend. Da muss ein neuer Beitrag her!

Habt Gedult, ich bin wahnsinnig beschaeftigt und werde aber so schnell wie moeglich den naechstren Bericht fertig stellen und abliefern.

Seid gegruesst meine Freunde, bis bald :))

... link (1 Kommentar)   ... comment